Tündern – ein Ort im Weserbergland wie viele andere auch. Bis 1971 politisch Selbständig, nach der Gemeindereform nur noch ein Ortsteil von Hameln. Ich bin in diesem Ort geboren (genauer gesagt, in dem Raum in dem ich dieses Schreibe), aufgewachsen, teilweise zur Schule gegangen und arbeite jetzt als Rentner an meinem Blog. Es ist eine durchaus persönliche Sicht auf den Ort, Leben ist immer ein Spagat zwischen Notwendigkeit und Wunsch.

Tündern ist wie andere Orte auch: Ein Wohnort mit etwas Landwirtschaft, Gewerbe, Handel, mit Kindergarten, Schule, Feuerwehr, Vereinen, Kirche und Friedhof. Wir haben hier Kiesabbau wie an vielen Orten entlang der Weser, mit allen ihren Auswirkungen.


Themen

Museum



Topografie

Blick vom Ohrberg auf Tündern und Emmerthal.

Ich habe lange mit mir um einen didaktischen Ansatz für einige Themen, genauer – gesagt für Ortsname, Eindeichung und Kiesgewinnung – zu bekommen. Tündern (und Hameln zum Teil auch) liegt auf einer Ebene, die auf den ersten Blick nicht auf ein Bergland schließen lässt. Östlich des Ortes verläuft ein Höhenzug, der vom Bücleberg am Südlichen Rand bis zum Hastenbecker Berg am Nördlichen Rand Reicht. Der Anstieg etwa einen Kilometer östlich der Ortsgrenze. Im Süden wird das Tal durch den Baßberg bei Hämelschenburg begrenzt. Der Anstieg ist wie im Osten langsam und beginnt jenseits der Weser. Westlich liegt der Ohrberg. Dieser steigt jenseits der Weser steil an. Sein Fundament reicht allerdings unterirdisch weit nach Osten Richtung Tündern. Die Ebene liegt etwa 70 Meter über NN, wobei der Ort heute wenige Meter höher liegt. Es gibt jedoch einige Hinweise darauf, dass die Ursache hierfür in der jüngeren Zeit zu suchen ist. Bis zum Zeitpunkt der Kanalisierung der Weser sollen mehrere Flussarme durch Tündern geflossen sein. Dieses ist nur möglich, wenn das Orts- auf Umgebungsniveau liegt.

Unter der Ebene befindet sich Gesteinsschutt, der am Ende der Eiszeit hier vom Schmelzwasser hier abgelagert worden ist. Diese Form des Tales als Ebene ist hierdurch verursacht. Wie mächtig die Ablagerungen sind, kann ich zum heutigen Datum nicht sagen, da ich aber in einigen der Teiche mehrere 100 Tauchgänge durchgeführt habe, die Aussage, dass diese mindestens 28 Meter stark sind. Die Kiesschicht wird vom vom Grundwasser durchflossen, das hier zum Flusssystem der Weser gehört und mit dem Vorfluter talwärts fließt.


Ortsname

Seit wann dieser Ort besteht, bzw. seit wann hier dauerhaft gesiedelt wurde ist mir nicht bekannt. Es gibt jedoch Funde, die darauf hindeuten, dass sich in dieser Gegend schon 1kJ vorher Leute aufhielten und – zumindest zeitweise – siedelten.

Ich berufe mich jetzt einmal auf die Dorfchronik von Frau Ilse Kalvelage (Tündern – Das Dorf im Weserbogen, 2. Überarbeitete Auflage, 1999). Erstmalig wurde der Ort 1004 urkundlich erwähnt als eine Siedlung mit Namen „Tundirum“ als König Heinrich II das Kloster Kemnade in den Reichsschutz aufnahm. Für die Interpretation des Ortsnamen gibt es zwei Ansätze:

  1. Ort mit einem Zaun (Tuin) herum (dirum)
  2. Erklärung aus dem damals üblichen Althochdeutschen als ein Ort in einem Sumpf / morastigen Gebiet

Die Interpretation als eingezäunter Ort stammt von Freydank (Die Bedeutung der Ortsnamen des Kreises Hameln-Pyrmont, Hameln, 1929) und geht wohl auf einer phonetischen Ähnlichkeit zu einem hier gesprochenen Plattdeutsch (?Pseudeplatt) zurück. Diese greift nicht auf die Ursprungssituation von 1004 zurück, verlässt nicht die Wohlfühlsphäre.

Die zweite Interpretation ist wesentlich plausibler. Sie entspricht der topologischen Lage des Ortes, sie entspricht der üblichen sprechenden Namensgebung von Orten. Diese war schon deswegen notwendig, um auch von Fremden ohne Ortskenntnisse verstanden zu werden. Zudem entspricht diese Interpretation der damals gesprochenen Sprache.

Blick vom Ohrberg auf Tündern und Emmerthal.

Ich fange einmal mit der linguistischen Erklärung an, wie sie in der Dorfchronik vermerkt ist. Im Althochdeutschen steht „TUN“, – in anderen Varianten auch „thun“, „thün“, „dun“, „dün“, „dum“ oder „düm“ – für Sumpf, Moder, Morast, Moor. Der Name Dümmer für den See leitet sich von daher ab. „DI“ – oder anders geschrieben auch „dir“, „te“, „ter“, „ther“, „der“ – steht für Baum, im Plural auch Wald. Das englische tree hat hier seinen Ursprung. In dieser Interpretation entspricht der Name einer Gemarkung mit einem sumpfigen Wald. Dieses entspricht einer aus der Oberflächengestaltung resultierenden Vorstellung und kann auch von den damaligen Zeitgenossen verstanden werden.


Topologie

Für eine Region, die bereits im Namen mit „Bergland“ wibt ist das Gebiet um Tündern erstaunlich Flach. Das hat, wer hätte es geacht, mit der Beschaffenheit des Untergrundes zu tun. Tündern ist auf einem mit Sand und Kies gefüllten Tal gebaut. Durchflossen wird die Ebene heutzutage von der Weser, der linksseitige Nebenfluss der Weser Emmer mündet seit einem Eishochwasser vor etwa 1000 Jahren oberhalb des Ortes in die Weser. Wann die Weser selbst kanalisiert worden ist, weiß ich derzeit noch nicht. Im Hinterkopf habe ich aber das Mittelalter, wobei ich dieses allerdings derzeit nicht belegen kann.

Wir haben hier ein paar Hügel. Nicht ganz so gewaltig wie das Himalaya oder die Anden, sie reichen aber für die Oberflächengestaltung einschließlich der Flussverläufe aus. Westlich wird das Gebiet, in dem Tündern liegt vom Ohrberg begrenzt. Der Berg zwingt die Weser zu einer Richtungsänderung in Richtung Hameln. Östlich befindet sich bei Hagenohsen der Bückeberg (nicht zu verwechseln mit dem Bückeberg). Dieser bestimmt den Ort des Zuflusses der Weser.

Der Ort erhebt sich – heute – nur unwesentlich über das Niverau der Weser. Um großflächige Überschwemmungen bei Hochwasser zu vermeiden ist der Ort zur Weserseite hin eingedeicht. Der Damm hilft oft, ich kann mich aber noch dunkel daran erinnern, dass in meiner Kindheit der Ort zum großen Teil unter Wasser lag. Vorläufer dieses Dammes sind bereits im Mittelalter gebaut worden. Auf dem Damm verläuft der Weserradweg.


Impressionen


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