Stative


Stative sind eines der ältesten Zuberhörteile in der Fotografie. Zu beginn der Lichtbildnerei waren die verwendeten Emulisonen noch sehr unempfindlich gegenüber Licht, entsprechend lang waren die Belichtungszeiten. Daszu kam, das Kameras sehr schwer und voluminös waren. Ein Stativ für die Kamera war Pflicht. Durch die lange Belichtungszeit gab es ein – aus heutiger Sicht – Kuriosum: Ein Stativ für Menschen. Diese wurden für die lange Belichtungszeit von einem Stativ im Nacken fixiert. Seitdem hat sich technologisch einiges getan: Kameras sind bis zur Modulgröße in Smartphones verkleiner worden, die für den Stativbau verwendeten Materialien haben sich gewandelt, sind bei höherer Leistungsfähigkeit leichter geworden.


Handelsbezeichnungen und Quasistandards

Handelsbezeichnungen

Ein Problem, das nicht in der Fotografie eine Rolle spielt, sind Handelsbezeichnungen. Begriffe, die nicht verbindlich definiert sind. Die Begriffe können vom Hersteller oder vom Handel frei verwendet werden. Um beim Thema Stative zu bleiben: Es gibt viele Diskussionen um die Konstruktionsmaterialien Carbon oder Aluminium. Bei Carbon handelt es sich allerdings nicht um Kohle und beim Aluminium nicht um das reine Metall. Der Begriff Carbon steht für einen Composite oder Verbundwerkstoff aus einem Kohlefasergewebe in einer Matrix aus einem Kunstharz. Eine Werkstoffgruppe mit designten Eigenschaften. Bei der Angabe Aluminium handelt es sich (meist) um eine Legierung mit anderen Stoffen. Diese Stoffe beeinflussen die Grundeigenschaften des Ausgangsmetalles Aluminium. Bei beiden Beispielen steht also der Begriff für eine Gruppe von möglichen Werkstoffen. Gleiches gilt auch bei anderen Handelsbezeichnungen. Es werden Grundeigenschaften in Aussicht gestellt, Detailinformationen geben diese Handelsbezeichnungen allerdings nicht her.

Quasistandards

Es gibt in der Fotografie einige Quasistandards, also Standards die allgemein anerkannt sind aber keiner gesetzlichen Norm entsprechen. Filmformate gehören in dieser Gruppe. Derartige Standards sind notwendig um Herstellerübergreigend Produkte zu erstellen. Negativgrößen wie das Vollformat oder das APS-Formatgehören zu diesen Quasistandards.


Einsatz in der Fotografie bzw. Video

Historisch gesehen waren Stative das erste Zubehörteil für eine Fotokamera, bzw. Stative waren integraler Bestandteil der Kameras.

Zunächst ist ein Stativ ein Zubehörteil, das transportiert, vor der Verwendung aufgebaut und eingerichtet und danach wieder abgebaut und verstaut werden muss. Ich habe also einen gewissen Aufwand für die Nutzung betreiben. Ein relativ großer Aufwand, zumal Stative üblicherweise voluminöser und schwerer sind als Kameras.

Deswegen die Frage, wo bringt mir die Verwendung eines Stativs einen Vorteil oder wo ist es unverzichtbar.

In der Fotografie / Video werden sie unter anderem benötigt für:

  • Nutzung aller möglichen Belichtungszeiten ohne Verwackelungen (Verwacklungssicherheit)
    • Erhöhung der Bildschärfe
    • Nacht- und Dämmerungsfotografie
    • Astrofotografie
    • Lightpainting
  • Aufnahmetechniken mit Mehrfachbelichtungen, bei denen Perspektiverhalt relevant ist
    • Focus Stacking
    • HDR / DRI – Aufnahmen
    • Timelaps
    • Belichtungsreihen
    • Doppelbelichtung
  • Kameraführung
    • Panoramaaufnahmen
    • Effektfotografie (Zoom-, Schwenkeffekte …)
    • Kameraschwenks (Video)
  • Fangschüsse
  • Aufnahmen mit Selbstauslöser
  • Aufstellung von Leuchten, Reflektoren / Absorbern und Hintergründen
  • Fixierung des Motivs

Anforderungen

Anforderungen sind etwas individuelles und von der Verwendung des Stativs abhängig.

Die meisten Anforderungen ergeben sich aus dem Dreieck

  • Budget
  • Eigene Ausrüstung
  • Fotografischer Einsatz

Hinzu kommen noch weitere Anforderunen wie z. B.

  • Wartungsfreundlichkeit

Eigenschaften

  • Eigenschaften die zwingend notwendig sind (must have)
  • Eigenschaften die optimal sind
  • Eigenschaften die irrelevant sind
  • Eigenschaften die kontraproduktiv sind

Unterschiedliche Anforderungen bei analoger und digitaler Fotografie

Aufnahmesegmentierung


Bauformen

Ich beschränke mich hier auf die Bauformen, die in Fotografie und Video üblich sind. Natürlich können auch andere Apparaturen, wie z. B. eine dritte Hand, ein Stuhl, ein Tisch, eine Mauer, ein Ast herangezogen werden um die Kamera zu fixieren.

Bei den Bezeichnungen für die Stative handelt es sich um Handelsbezeichnungen, nicht um normierte Kennzeichnungen.

In der Fotografie gibt es zwei sich grundlegend unterscheidende Bauformen:

  1. Die eine, bei denen die Stativhöhe über die Beine bestimmt wird, also Beine haben, die bis nahe an die Nutzlast herangehen (Beispiel: Dreibeinstativ), engl. „Pod“.
  2. Die Andere, bei denen die Stativhöhe über die zenrale Säule erreicht wird. Stativbeine befinden sich am unteren Ende (Beispiel: Leuchtenstativ), engl. „Stand“

Ursprünglich ein mit getrockentten Bohnen gefüllter Stoffsack. Heute wird für die Füllung ein Kunststoffgranulat verwendet. Verwendet wird ein Bohnensack als Unterlage auf einer vorhandenen Fläche. Dieses ermöglicht zum einen die Ausrichtung der Kamera, zum anderen schützt der Bohnensack die Kamera vor Beschädigungen.

Heute übliches Stativ mit drei Beinen. Die Beine sind meist im gleichen Winkel voneinander am Stativkopf angebracht.

Die Bauform wird häufig mit der Nominalform „Stativ“ gleichgesetzt. Sonderformen sind:

  • Ministativ
  • Gorilla Pod
  • Reisestativ
  • Transformerstativ
  • Heavy-Duty (HD) – Stativ
  • Studiostativ (teilweise)

Handelsbezeichnung für Stative, die für den Transport im Reisegepäck optimiert worden sind. Sie sind klein, leicht und haben ein geringes Packmaß. Üblicherweise haben derartige Stative viele Beinsegmente und eine lange Mittelsäule. Entsprechend ist die Stabilität eingeschränkt.

Reisestative sind sowohl aus Aluminium als auch aus Carbon gebaut.

Handelsbezeichnung für Stative für hohe Anforderungen, wie sie in der professionellen Videografie vorkommen. Hier kommt zum einen Kameras zum Einsatz, die relativ schwer sind und mit einer großen Brennweite ausgestattet sind. Zudem bieten diese Kameras Anschlussmöglichkeiten über Kabel für externe Monitore an. Derartige Stative müssen auch bei Kamerabewegungen (Schwenks) ihre Ausrichtung beibehalten.

Die Stative sind auf Steifheit konstruiert und sind sehr verwicklungssteif. Hierzu und um den Schwerpunkt des Stativs niedrig zu halten, haben diese eine hohe Masse. Konstruktionsmaterial ist überwiegend Aluminium. Als Stativbeine kommen häufig Doppelrohrsysteme zum Einsatz.

Derartige Stative sind oft mit einer Mitchell – Base, alternativ mit einem Kugelschale zur Nivellierung ausgestattet.

Die schwere Bauform und die geringe Seriengröße bedingen einen entsprechenden Preis.

Der Begriff „Studiostativ“ wird im unterschiedliche technischen Kontext für Stative verwendet, die für den Einsatz auf dem Studioboden mit einem Rollensystem ausgestattet sind.

Technisch handelt es sich überwiegend um

  • Mit Rollen (Trolly) ausgestattete HD – Stative. Diese Stative ermöglichen ruckelfreie Kamerafahrten im Bereich professioneller Videografie.
  • Mit Rollen ausgestattete Säulenstative für schwere Kameras oder Beleuchtung. Diese Stative ermöglichen schnelle Ausrichtung der Nutzlast.

Stative für die Nutzlasten in großer Höhe (bis 17 Meter). Hochstative können sowohl für Beleuchtung als auch für die Aufnahme zum Einsatz kommen. Für die Anbringung einer Kamera können Hochstative mit einem fernsteuerbaren Mehrwegeneiger ausgerüstet werden.

Engl. Stand. Stative für das Aufstellen von Leuchten.

Spezielle Stative zum abfotorafieren ebener Vorlagen

Stative um in der Dunkelkammer einen Vergrößerer oder eine Kamera mit Beleuchtungsaufsatz anbringen zu können.


Komponenten


Herstellungsmaterialien

Bei allen Bezeichnungen handelt es sich um Handelsbezeichnungen, die für eine Materialklasse stehen und keine Rückschlüsse auf eine genauere Zusammensetzung geben. Um Pseudogenauigkeiten und -beurteilungen zu vermeiden gehe ich nur generell auf einzelne Bestandteile ein.

Handelsbezeichnung für Legierungen des Aluminiums.

Bei Carbon handelt es sich um die Handelsbezeichnung für Kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff (carbonfaserverstärkter Kunststoff (CFK)).

Carbon ist ein laminar, also aus mehreren Lagen, aufgebauter Werkstoff. Die einzelnen Lagen bestehen aus einem Kohlefasergewebe und einer Matrix aus einem Kunstharz, welches die Fasern fixiert. Das Kohlefasergewebe entsteht durch Pyrolyse unter Druck und großer Hitze aus einem Grundstoff aus Kohlenwasserstoff. Ein einzelner Faden des Gewebes setzt sich aus Fibrillen zusammen. Neben der Art des Werkstoffes bestimmt auch die Anzahl dieser Fibillen die Qualität des Werkstoffes. Angegeben wird die Fadenstärke als Anzahl der Filamente zu je 1000 Stück. (1000 Filamente= 1k, 2000 Filamente = 2k, 15000 Filamente =15k). Durch den Aufbau aus einzelnen Fasern besitzt sehr große Oberfläche, auf die sich das Harz der Matrix festsetzen kann.

Ein weiterer Faktor, der die Eigenschaften von Carbon bestimmt, ist die Art, wie das Gewebe gewoben worden ist. Die Eigenschaften Festigkeit und Steifheit eines CFK Werkstoffes sind Abhängig von der Ausrichtung der Fasern. Beide Eigenschaften sind in Faserrichtung wesentlich höher als quer zur Faserrichtung. Wie hoch, bestimmt das Webmuster des zugrundeliegenden Gewebes. Um diese Eigenschaft zu kompensieren werden mehrere Schichten mit unterschiedlicher Ausrichtung des Gewebes nacheinander aufgetragen.

Eigenschaften

  • Bei CFK handelt es sich um einen Designerwerkstoff, der den Erfordernissen angepasst werden kann.
  • Geringe spezifische Dichte bei gleichzeitig hoher Steifheit und Festigkeit ermöglichen leichte und kleine Werkstücke.
  • Eine gute Schwingungsdämpfung ermöglicht bei einem Stativ gute Eigenschaften bei einer Krafteinwirkung (Berührung)
  • CFK ist sehr resitent gegenüber Umwelteinflüssen. CFK ist chemisch inert, nicht korrossiv und ist hoch Beständig gegenüber Säuren, Alkalien und organischen Lösungsmitteln. Kohlefasern nehmen praktisch kein Wasser auf.
  • Die Wärmeleitfähigkeit von CFK ist gering, bei Kälte kann ein Stativ aus dem Material angefasst werden, ohne dass die Wärme der Haut sofort abgeleitet wird.
  • Der Laminare Aufbau des Werkstoffes kann zu Problemen führen, wenn die Schichten nicht richtig miteinander verklebt worden sind. Löst sich die Verbindung zwischen den Schichten verliert das Werkstück an Festigkeit und kann brechen.

Quelle(n)


Anschlüsse


Anforderungen

Bedeutet: Das Stativ mus sowohl zur eigenen Ausrüstung als auch zur eigenen Arbeit passen. Ein großes, schweres Stativ zu einer MFT-Kamera mag zwar während der Aufnahme sehr stabil sein, ist aber herausgeschmissenes Geld. Umgekehrt ist ein kleines Reisestativ für eine analoge Mittelformat- oder Großformatkamera einfach überfordert.

Frage: Wozu benötige ich das Stativ. Arbeite ich mit sehr langen Belichtungszeiten, entstehen andere die Anforderungen an die Steifheit als wenn ich eine kleine Digitalkamera lediglich für einen Fangschuss positioniere.

Nehme ich das Stativ mit auf Reisen, habe ich andere Anforderungen, als wenn ich dieses on Location oder im eigenen Studio benötige.

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